Beratung von Personen mit unerfülltem Kinderwunsch und von Schwangeren durch Heilpraktiker

B.) Rechtliche Hinweise für Heilpraktiker und Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie bei der Behandlung von Personen mit unerfülltem Kinderwunsch und von Schwangeren und Wöchnerinnen mit Kinesiologie

Heilpraktiker dürfen grundsätzlich heilkundlich tätig werden; für Heilpraktiker für Psychotherapie gilt dies mit der Einschränkung, dass von diesen ausschließlich Psychotherapie ausgeübt werden darf. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch können allgemeine Heilpraktiker heilkundlich tätig werden. Anders als psychologische Berater, dürfen Heilpraktiker auch pathologische Befunde therapieren.

Heilpraktiker für Psychotherapie müssen vor Aufnahme der Behandlung ermitteln, ob eine psychotherapeutische Indikation vorliegt. Eine körperliche Erkrankung muss – ggfs. mit ärztlicher Hilfe – ausgeschlossen werden. Die psychische Störung (auch mit Krankheitswert) kann sodann vom Heilpraktiker für Psychotherapie mit sämtlichen Mitteln der Psychotherapie (z.B. Kinesiologie, Hypnose) behandelt werden.

Grundsätzlich dürfen diese Therapeuten auch während der Schwangerschaft heilkundlich bzw. psychotherapeutisch tätig werden. Die Leistung von Geburtshilfe ist jedoch unzulässig. Die Behandlungen einer Schwangeren ist zudem mit gesteigerten Risiken verbunden. Aufgrund der Sorgfaltspflichten des Heilpraktikers ist eine Behandlung nur dann zulässig, sofern auszuschließen ist, dass sie sich nachteilig auf den Fötus oder den Schwangerschaftsverlauf auswirken kann. In diesem Zusammenhang hat der Heilpraktiker stets auf seine rechtlichen und tatsächlichen Beschränkungen zu achten. Dies gilt sowohl für krankhafte Beschwerden der Schwangerschaft als auch für Erkrankungen, die in keinem direkten Zusammenhang zur Schwangerschaft stehen.

Neben berufsrechtlichen Nachteilen drohen andernfalls erhebliche haftungsrechtliche Risiken. Diese sollten vorsorglich durch eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt werden. Da die Schwangerenberatung und Schwangerenbetreuung ebenfalls Aufgabe von Hebammen und Ärzten ist, sollte das jeweilige Handeln des Heilpraktikers hiermit stets abgestimmt sein. Keinesfalls sollten Ratschläge, Empfehlungen oder Therapiemaßnahmen einer Hebamme oder eines Arztes unberücksichtigt bleiben.

Fazit: Heilpraktiker dürfen grundsätzlich heilkundlich tätig werden; für Heilpraktiker für Psychotherapie gilt dies mit der Einschränkung, dass von diesen ausschließlich Psychotherapie ausgeübt werden darf. Heilpraktiker für Psychotherapie müssen deshalb vor Aufnahme der Behandlung ermitteln, ob eine psychotherapeutische Indikation vorliegt. Eine körperliche Erkrankung muss – ggfs. mit ärztlicher Hilfe – ausgeschlossen werden. Aufgrund der Sorgfaltspflichten des Heilpraktikers ist eine Behandlung nur dann zulässig, sofern auszuschließen ist, dass sie sich nachteilig auf den Fötus oder den Schwangerschaftsverlauf auswirken kann. Die Therapie ist mit Hebamme oder Arzt abzustimmen.

Verbot der Leistung von Geburtshilfe, Behandlungskompetenzen während des Wochenbettes, Abgrenzung zur Schwangerenberatung

Nach § 4 Hebammengesetz sind außer Ärzten nur Personen mit einer Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Hebamme” oder „Entbindungspfleger” zur Leistung von Geburtshilfe berechtigt. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass bei einer Geburt eine Hebamme zugezogen wird. Geburtshilfe umfasst dabei neben der Überwachung des unmittelbaren Geburtsvorgangs von Beginn der Wehen an und der Hilfe bei der Geburt auch die Überwachung des Wochenbettverlaufs.

Sektorale und unbeschränkte Heilpraktiker dürfen aufgrund dieses Tätigkeitsverbots nicht zur Überwachung des Wochenbettverlaufs tätig werden. Wer entgegen § 4 HebG Geburtshilfe leistet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und überschreitet seine rechtlichen Grenzen. Dies kann zum Verlust der beruflichen Zuverlässigkeit und somit der Heilpraktikerzulassung führen.

Nach der Geburt obliegt die Überwachung des Wochenbettverlaufs ausschließlich Ärzten und Hebammen. Dies umfasst grundsätzlich auch die Überwachung der psychischen Verfassung der Wöchnerin. Die Ausbildung der Hebammen beinhaltet aus diesem Grund Kenntnisse über psychische Krankheiten, wie bspw. einer Wochenbettpsychose. Während des Wochenbettes gilt für Heilpraktiker grundsätzlich ein Behandlungsverbot, sofern der Bezug einer Erkrankung zur Geburt nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. (zulässig wäre bspw. die Behandlung einer Prellung am Fuß).

Der Begriff der „Überwachung des Wochenbettverlaufs“ ist weit. Er gilt unabhängig vom Verdacht bestimmter Komplikationen und umfasst auch die Frage, ob psychische Störungen vorliegen. Einzelne psychotherapeutische Maßnahmen in Bezug auf die Wöchnerin, die sich nicht auf die „Überwachung“ des Wochenbettverlaufs als solches richten, können im Einzelfall zulässig sein. Werden seitens des Arztes oder der Hebamme während der Überwachung des Wochenbettverlaufs psychische Beeinträchtigungen der Wöchnerin diagnostiziert, kann ein Heilpraktiker bzw. ein Heilpraktiker für Psychotherapie beigezogen werden. Dies ist insbesondere in den Fällen angemessen, in denen bereits vor der Geburt ein Behandlungsverhältnis mit der Wöchnerin bestanden hat, bzw. bei Patientinnen, die während einer laufenden psychotherapeutischen Behandlung schwanger werden. Bestehen hier Hinweise darauf, dass auch nach der Geburt psychische Erkrankungen bestehen oder sich verschlimmern können, sollte frühzeitig Kontakt zum Gesundheitsamt und der Hebamme bzw. dem Arzt aufgenommen werden. Auf diese Weise kann präventiv eine optimale Betreuung nach der Geburt gesichert werden. Die vertragliche Schweigepflicht ist hierbei zu berücksichtigen. Der Heilpraktiker hat sich in diesen Fällen ausschließlich auf die Behandlung der diagnostizierten psychischen Erkrankung zu beschränken; darüber hinausgehende Maßnahmen können als Überwachung des Wochenbettverlaufs gewertet werden.

Aufgrund der fehlenden Trennschärfe des Überwachungsbegriffs verbleiben in der Praxis schwierige Abgrenzungsfragen. Jede psychotherapeutische Maßnahme bezüglich der Wöchnerin ist äußerst sensibel und deshalb sorgfältig abzuwägen. Anders als bei einzelnen körperlichen Erkrankungen, kann bei seelischen Leiden während des Wochenbettes ein Bezug zur Geburt nicht generell ausgeschlossen werden. Es wird deshalb empfohlen, das eigene therapeutische Handeln mit Hebamme und Arzt abzustimmen.

Nach Abschluss des Wochenbettes kann die Mutter wieder eigenständig diagnostisch betreut werden. Dies gilt auch für Maßnahmen der nicht heilkundlichen psychologischen Beratung. Diese sind zwar grundsätzlich auch während des Wochenbettes zulässig; jedoch kann hier rasch die Grenze zur heilkundlichen Tätigkeit überschritten werden. Deshalb sind während des Wochenbettes nur solche psychologischen Beratungen anzuraten, deren nicht heilkundlicher Charakter offensichtlich ist. Es darf kein Bezug zu einer Krankheit bestehen.

Fazit: Sektorale und unbeschränkte Heilpraktiker dürfen aufgrund von § 4 HebG nicht zur Überwachung des Wochenbettverlaufs tätig werden. Der Begriff der „Überwachung des Wochenbettverlaufs“ ist weit. Er gilt unabhängig vom Verdacht bestimmter Komplikationen und umfasst auch die Frage, ob psychische Störungen vorliegen. Nach Abschluss des Wochenbettes kann die Mutter wieder eigenständig diagnostisch betreut werden.

(Weitere) Werbeverbote

Die aufgezeigten Vorgaben des Heilmittelwerberechts gelten für diese Berufsgruppen ebenfalls. Wichtig: § 12 Heilmittelwerbegesetz (HWG) stellt in Verbindung mit der entsprechenden Anlage zum Heilmittelwerbegesetz zusätzlich eine Reihe strenger Werbeverbote auf. Demnach darf sich die Werbung außerhalb der Fachkreise generell nicht auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Komplikationen der Schwangerschaft, der Entbindung und des Wochenbetts beziehen.

Unerheblich ist, ob die Krankheit oder das beworbene Verfahren als solches gefährlich ist. Die Behandlung einer Wochenbettpsychose oder von postpartalen Depressionen mittels Kinesiologie darf beispielsweise nicht beworben werden. Ebenfalls unzulässig ist die Angabe typischer Symptome in der Werbung, wenn hierdurch ohne größeren Aufwand auf die Krankheit geschlussfolgert werden kann. Gleiches gilt für psychische Störungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft, der Geburt bzw. dem Wochenbett. Angaben zu Komplikationen der Schwangerschaft, der Entbindung und des Wochenbetts sind in der Werbung deshalb zu vermeiden. Es muss verdeutlicht werden, dass die beworbene psychotherapeutische Behandlung erst nach Abschluss des Wochenbettes ansetzt und keinen Bezug hierzu hat.

Normale (nicht krankhafte) Beschwerden einer Schwangerschaft unterfallen hingegen nicht dieser Regelung, weil es hier an einem krankhaften Befund fehlt. Zulässig ist eine Werbung bzgl. der allgemeinen Schwangerenberatung bzw. -betreuung, sofern keine Komplikationen des Wochenbettverlaufs oder andere pathologische Befunde benannt werden. Ggfs. empfiehlt sich ein klarstellender Hinweis darauf, dass psychische Störungen im Wochenbett von der Werbung nicht umfasst sind.

Fazit: Auch sektorale und unbeschränkte Heilpraktiker müssen das heilmittelwerberechtliche Irreführungsverbot beachten. Zudem darf sich die Werbung außerhalb der Fachkreise generell nicht auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Komplikationen der Schwangerschaft, der Entbindung und des Wochenbetts beziehen.