Beratung von Personen mit unerfülltem Kinderwunsch und von Schwangeren durch Nicht-Heilpraktiker (psychologische Berater)

A.) Rechtliche Hinweise für psychologische Berater ohne Heilpraktikererlaubnis bei der Beratung von Personen mit unerfülltem Kinderwunsch und von Schwangeren über Einsatzmöglichkeiten von Kinesiologie

Diese Anbieter müssen beachten, keine heilkundliche Tätigkeit auszuüben. Zudem müssen sie das Werberecht für ihre gesundheitsbezogenen Aussagen beachten.

Abgrenzung Beratung / Behandlung bei Schwangerschaft und unerfülltem Kinderwunsch.

Beratung einer Schwangeren

 Welche Tätigkeiten sind heilkundlich?

Anders als Ärzten und Heilpraktikern ist es psychologischen Beratern nicht gestattet, Heilkunde auszuüben. Gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG bedarf derjenige einer Erlaubnis, der die Heilkunde ausübt, ohne als Arzt bestallt zu sein. Nach Absatz 2 dieser Norm ist Ausübung der Heilkunde „jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.“

Der Krankheitsbegriff ist dabei weit auszulegen. Er umfasst jede seelische oder körperliche Störung der normalen Beschaffenheit oder normalen Tätigkeit des Körpers. Die Ausübung von „Heilkunde“ dient nicht nur der Heilung im engeren Sinn, sondern auch der Linderung körperlicher Defekte im Sinne einer bloßen Situationsverbesserung. Ausgeschlossen von dieser Definition sind hingegen normal verlaufende natürliche Erscheinungen oder Schwankungen der Körperfunktion wie Alter, Ermüdungserscheinungen, Hunger.

Die Schwangerschaft als solches ist eine natürlich verlaufende Erscheinung und keine Krankheit. Die Beratung einer Schwangeren ist deshalb grundsätzlich keine Ausübung der Heilkunde. Anders ist dies jedoch bei schwangerschaftsbezogenen Krankheiten bzw. Komplikationen des Schwangerschaftsverlaufs. Für diese Bereiche gilt der Heilpraktikervorbehalt – eine Behandlung durch Coaches ist unzulässig. Wie das Beispiel der „Schwangerschaftsübelkeit“ verdeutlicht, sind die Grenzen jedoch fließend. Letztlich muss im Einzelfall beurteilt werden, ob es sich um Beschwerden mit Krankheitswert handelt oder um einen normalen Verlauf der Schwangerschaft. Um dies abzuklären, sollte stets vor Aufnahme der Beratung oder bei Auftauchen von Beschwerden eine ärztliche oder heilpraktische Diagnose veranlasst werden.

Fazit: Psychologische Berater dürfen keine Heilkunde ausüben. Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit; da die Abgrenzung von natürlichen Begleiterscheinungen und krankhaften Beschwerden jedoch schwierig ist, sollte bei Beschwerden eine ärztliche oder heilpraktische Diagnose eingeholt werden.

Beratung von Personen mit nicht erfülltem Kinderwunsch

Ein nicht erfüllter Kinderwunsch kann auf einer seelischen oder körperlichen Erkrankung beruhen. Um dies auszuschließen, sollte vor Aufnahme der Beratung eine ärztliche oder heilpraktische Diagnose veranlasst werden. Auch hier gilt: psychologische Berater dürfen keine Heilkunde ausüben.

Wegen der mit dem Erlaubniszwang verbundenen Beschränkung der Berufsfreiheit fallen unter den Heilpraktikervorbehalt nur solche Heilbehandlungen, deren Ausübung ärztliche bzw. medizinische Fachkenntnisse erfordert und die generell gesundheitliche Schäden verursachen können. Ärztliche bzw. heilpraktische Fachkenntnisse können bereits für die Feststellung, ob im Einzelfall mit der Behandlung begonnen werden darf, ohne dass der Patient durch die Verrichtung selbst unmittelbar Schaden nimmt erforderlich sein. Zudem können diese Kenntnisse im Hinblick auf das Ziel, die Art oder die Vornahme der Tätigkeit erforderlich sein.

Es existiert sowohl ein heilkundlicher als auch ein nicht-heilkundlicher Bereich der Kinesiologie. Letzterer Es ist deshalb zu differenzieren.

Beschränkt sich die kinesiologische Tätigkeit auf eine Anleitung zur besseren Lebensbewältigung oder der Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konfliktlagen, wird grundsätzlich keine Heilkunde ausgeübt. Bei diesen Angeboten besteht kein Risiko einer Gefährdung der Klienten. Darüber hinausgehende Formen der Kinesiologie erfordern jedoch medizinische Fachkenntnisse; sofern sie zu einer Gefährdung des Patienten führen können, sind sie erlaubnispflichtig.

Wichtig: Auch Tätigkeiten, die für sich gesehen keine Gefährdung hervorrufen können (wie z.B. kinesiologischer Muskeltest) unterfallen dann der Erlaubnispflicht, wenn sie mittelbare Gesundheitsgefährdungen zur Folge haben können. Diese werden hervorgerufen, sofern durch die Beratung ein frühzeitiges Erkennen ernster Leiden verzögert wird und die Wahrscheinlichkeit einer solchen Gefährdung nicht nur geringfügig ist. Eine solche Gefahr besteht vor allem dann, wenn die Beratung als eine die ärztliche oder heilpraktische Berufsausübung ersetzende Tätigkeit erscheint. Eine mittelbare Gesundheitsgefährdung entsteht stets durch die Vernachlässigung notwendiger ärztlicher oder heilpraktischer Behandlung. Aufgrund der Tätigkeit eines medizinischen Laien darf eine notwendige ärztliche / heilpraktische Heilbehandlung nicht ausbleiben oder erst verspätet erfolgen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ernste Leiden nicht rechtzeitig erkannt werden.

Sowohl bei Klienten mit unerfülltem Kinderwunsch als auch bei der Beratung von Schwangeren sollte deshalb deutlich klargestellt werden, dass es sich nicht um ein heilkundliches Beratungsangebot handelt und die Tätigkeit weder Arzt noch Heilpraktiker ersetzt. Hierdurch wird vermieden, dass die Diagnose einer bislang unerkannten Erkrankungen verzögert wird.

Fazit: Bei der Beratung von Personen mit nicht erfülltem Kinderwunsch ist klarzustellen, dass die Tätigkeit nicht heilkundlich ist, also weder Arzt noch Heilpraktiker ersetzt. Die Tätigkeit darf zudem nicht zu unmittelbaren Risiken führen. Um mittelbare Risiken (bzw. eine körperliche/psychischer Erkrankung) auszuschließen, sollte vor Aufnahme der Beratung eine ärztliche oder heilpraktische Diagnose veranlasst werden.

Werberechtliche Vorgaben

Werbemaßnahmen dürfen sich nur auf die Tätigkeiten beziehen, die auch rechtlich erlaubt sind. Demnach dürfen von psychologischen Beratern nur nicht-heilkundliche Angebote beworben werden. Möglich ist z.B. die Werbung für eine nicht-heilkundliche psychologische Beratung. Diese darf sich jedoch keinesfalls auf krankhafte Befunde beziehen; sie hat sich auf den allgemeinen Bereich der nicht heilkundlichen (psychologischen) Schwangerenberatung zu beschränken.

Da auch diese Form der Werbung gesundheitsbezogen ist, gelten strenge Vorgaben.

Sofern im Bereich der gesundheitsbezogenen Werbung Wirkungsaussagen gemacht werden, trifft den Werbenden die Verantwortung für die objektive Richtigkeit der Angabe. Er muss diese beweisen können. Ein solcher Nachweis setzt entsprechende Studienergebnisse voraus. Diese können jedoch nur dann als Beleg gelten, wenn sie nach den anerkannten Regeln und Grundsätzen wissenschaftlicher Forschung durchgeführt und ausgewertet wurden. Dafür ist grundsätzlich erforderlich, dass eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit einer adäquaten statistischen Auswertung vorliegt, die durch die Veröffentlichung in den Diskussionsprozess der Fachwelt einbezogen worden ist.

Vor einer Werbemaßnahme ist deshalb zu prüfen, ob bzw. welche anerkannten Studien, welche Aussagen bestätigen können. Nur diese dürfen beworben werden. Alternativ sollte auf konkrete Wirkaussagen (wie z.B. Kinesiologie hilft bei unerfülltem Kinderwunsch; Kinesiologie gegen nicht krankheitsbedingte Schwangerschaftsübelkeit) verzichtet werden.

Fazit: Bei allen Werbemaßnahmen ist das heilmittelwerberechtliche Irreführungsverbot zu beachten. Andernfalls drohen Abmahnungen.

Der oben genannte Hinweis könnte z.B. wie folgt lauten:

„Ich bin selbständiger Kinesiologie-Berater und biete eine allgemeine Lebensberatung an. Meine Beratung ersetzt keinen Arzt, Heilpraktiker oder anderen (Psycho-)Therapeuten. Ich behandele keine Krankheiten und übe keine Heilkunde aus. Sofern Sie sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches an mich wenden, rate ich Ihnen und Ihrem Partner/Partnerin dazu, eine ärztliche Diagnose einzuholen. Sollten im Verlauf der Schwangerschaft Beschwerden auftreten, sind auch diese unverzüglich ärztlich abzuklären.“